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Meine Meinung: ‚Was wird aus der Wirtschaft?‘ – eine hoch-politische Frage!

Man muss sich Sorgen machen um die ‚Wirtschaft‘. Lautlos verschwindet mit vielen Gaststätten nicht nur ein einstmals blühender Erwerbszweig, sondern auch eigene Identität, soziale Integration und bürgerschaftliche Kommunikation in unseren Städten und Gemeinden. Corona ist dafür Katalysator, jedoch nicht Ursache. Es ist Zeit für ein gemeinsames Gegenhalten! Denn Unwiederbringliches geht sonst verloren!

Beginnen wir bei dem was gemeint ist: Nicht unbedingt das ‚Restaurant‘, wie es derzeit reichlich volksfern in den Corona-Verlautbarungen von Frau Merkel & Co heißt und die nach Einzeltischen geordnete gehobene Speisekarten-Gastronomie meint. Da mache ich mir in einer Welt der kultivierten Genüsse und des ‚Sehen und Gesehen Werdens‘ weniger Sorgen. Nicht um die Party-Meile der Selbst-Inszenierung. Auch kaum um den Imbiss, der für die zunehmenden Tagesabläufe ohne Zäsuren als Rund um die Uhr Mampf-Stelle zur Verfügung steht. Aber um unsere ‚Wirtschaft‘, in den letzten Jahrzehnten im Zuge der einebnenden Verhochdeutschung der Sprache als ‚Kneipe‘ eher unter Wert apostrophiert, den ‚Schmelztiegel‘, da mache ich mir Sorgen.

Der Wirt in der Küche mit einer Hilfe, die Ehefrau an Theke und Büffet beim Ausschank, ein oder zwei Kellner/innen zum Bedienen. Ein Gastraum und ein Nebenzimmer oder einen Saal. Vorne das Schild ‚Krone‘, ‚Adler‘, ‚Waldhorn‘ oder ‚Ochsen‘. Über Jahrhunderte nicht der Ausnahme-, sondern der Normalfall. Im Dorf, im Stadtzentrum, in der Vorstadt, manchmal in der freien Landschaft. Machen wir uns ehrlich: nicht nur ökonomisch, sondern auch gesellschaftlich ist ‚die Wirtschaft‘ unter Druck. Beispiele gefällig?

Die Aufenthaltsdauer im Lokal sinkt. Der komplette Abend wird zur Seltenheit. Die Familie. Die Polizeistreife. Der nächste Tag im Geschäft… Damit sinken nicht nur die Umsätze. Es reduziert sich auch der Austausch untereinander. Die Zeit im Lokal ist ‚Anhängsel‘ und ‚Intermezzo‘, nicht wie einstmals gleichgewichtig zu Arbeit und Zuhause ein eigener Tagesabschnitt.

Die Rundumnutzung des Lokals geht zurück. Hochzeit lieber mit Catering in Vereinsräumen. Eigentümerversammlung mit ungeselligen Wohnungsbesitzern und einem Glas Mineralwasser am Abend. Fußballmannschaften, die nach dem Training ihren Kasten Bier in der Kabine trinken. Gemeinderäte, welche sich nach der Sitzung in alle Winde zerstreuen, statt die ‚Bühne Wirtschaft‘ für ihr öffentliches Amt zu nutzen. ‚Nachsitzung‘.

Der soziale Austausch im Lokal verkümmert. Handwerker und Arbeiter, Rentner und Jugendliche, Alteingesessene und Zugezogene, Aufschneider und Tüchtige. Sie gehören zusammen! Der Stammtisch dabei als Zentrum. Nicht jede/r darf gleich hin. Die Theke als Dialogecke. Das Nebenzimmer für die ‚geschlossene Gesellschaft‘.

Für mich steht fest: Wir brauchen gegenüber diesen – ich weiß: natürlich oft genug auch andersläufigen – Tendenzen ein gemeinsames Gegenhalten und einen wirklichen Bewusstseinswandel. Denn es ginge unwiederbringliches verloren mit der Wirtschafts-Kultur. Und das modische ‚man kann sich nicht gegen die Zeit stemmen‘ ist Larifari, weil nichts Vergleichbares Anderes entstehen wird. Also: drüber reden und was tun!

Man wird einiges für die ökonomische Stabilisierung unserer Wirtschaften tun müssen. Das Land Baden-Württemberg hat dem Drängen nachgegeben und endlich auch mit Investitionsprogrammen für die bauliche Modernisierung begonnen. Leider mit dem alten CDU-Reflex, den jetzt auch die Grünen übernommen haben, dass es nur um die ländliche Dorf-Gastronomie gehe. Mitnichten!

Man wird die Aufenthaltsqualität in Städten und Dörfern in der Stadtplanung viel ganzheitlicher angehen müssen. Ein hell erleuchtetes Lokal vermittelt abends nicht nur Sicherheit, sondern auch im Ensemble mit Geschäften Da Zugehörigkeit. Die Städtebauförderung und die Investitionsförderung für mittelständische Betriebe sind deshalb noch mehr gefordert!

Die Generationenfolge klappt nicht mehr. Klar: Nicht jedem Nachkommen ist Wirt gegeben. Aber im Übergang Mitfinanzieren und neu Konzeptionieren. Das geht. Sonst landet die stolze ‚gut bürgerliche‘‚ Linde‘ über die rot-Weiß-karierte Tischdecken-Pizzeria und danach dem Döner mit Theke und Resopal-Tischchen beim Asia Food zum nur noch Abholen. Kann man alles wollen und brauchen. Aber real ist es Verdrängung und Qualitäts-Abstieg.

Man wird aber auch im sozialen Verhalten der Menschen für Veränderungen werben müssen. Die Zäsuren im Jahresablauf wie im Tagesablauf verdienen mehr Aufmerksamkeit. Das Leben ist kein träge dahinfließender Fluss. Wann ist mein und unser Ausgehtag? Mit wem bespreche ich mich geschäftlich wo? Welche Freundschaft möchte ich bei einem Gläschen pflegen? Wo können wir nach dem Sport heute noch hin gehen? Solches gehört wieder in den Dialog unter den Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Schon jetzt, auch wenn Corona noch blockiert.

Denn eines ist ja auch wahr: Diejenigen, die mit dem Gesagten rund um Wirtschaft nichts anfangen können, hat es immer gegeben und wird es immer geben. Warum auch nicht! Manchmal beschleicht einen aber doch das Gefühl, dass uns das Diktat der ‚Spaßbremsen‘ droht. Ihnen ist die Pandemie eine willkommene Gelegenheit, ihre säuerlichen Vorstellungen von Lebensstil und -gestaltung anderen subtil aufzuzwängen. Nicht selten politisch verbrämt. Neue Spießer. Das hätten die Wirtschaften allerdings zuletzt verdient. Denn sie sind und waren ja auch immer ein Hort der Freiheit!

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