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Kolumne „Meine Meinung“ von Peter Hofelich: „The divided States of America?“

Es ist ja nicht so, dass die  USA in ihrer rund 250-jährigen Geschichte nicht schon härteste Gegensätze unter sich ausgefochten hätten: In der Landnahme  Indianer gegen Siedler, wie auch Rancher gegen Farmer, im Sezessionskrieg Nord- gegen Südstaaten, auf der erstmaligen Weltbühne der beiden Weltkriege die Entscheidung  ‚Einmischen – ja oder nein‘, in der Kapitalismus-Krise der 30er das Pro und Contra des ‚New Deal‘, während der McCarthy-Nachkriegs-Jahre die gehirnwaschenden  Anti-Kommunismus-Verhöre, die tiefe Zerrissenheit des Landes im Vietnamkrieg und der Bürgerrechtsbewegung, die globale Umorientierung vom Atlantik zum Pazifik während der letzten Jahrzehnte. Das alles ließ das Land, oft mit nur mühsam verheilenden Wunden und Verwerfungen auch hinter sich, und macht Hoffnung, dass auch jetzt das Land zu sich findet.

Einfach wird es aber nicht. Denn: Die Zerrissenheit an einer einzigen Person festzumachen, gab es wohl so noch nie. Donald Trump hat das geschafft. Geplant und gewollt.

‚America first‘ ist natürlich nicht bloß Trump, sondern allgemeines Bauchgefühl. Wenn der zwar stromfressende, aber doch großartige Westinghouse-Kühlschrank oder der zwar spritfressende aber doch absolut familienfreundliche Chrysler-SUV global ins Marketing-Abseits geraten, ist die kalte Wut in Pittsburgh oder Detroit zwar nicht unbedingt verständlich aber doch irgendwie nachvollziehbar. Die europäische oder fernöstliche Antwort ‚baut halt bessere Produkte‘ ist in einer Welt, die ‚Respekt‘ als großes Defizit im Turbokapitalismus identifiziert hat, nicht gerade das Mittel der Wahl. Aber von diesem sozio-ökonomischen Unterfutter abgesehen, hat Trump es doch geschafft, in der Zustimmung oder Abneigung zu seiner Person zu polarisieren. Es geht in dieser Zeit mehr um persönliche Gefolgschaft, denn um politische Zustimmung. Das macht eine neue Qualität ‚überm großen Teich‘ aus. Nebenbei: Der ‚Kapitalismus‘ hatte über Jahrzehnte hinweg kein Gesicht mehr, siehe da,  jetzt hat er plötzlich wieder eins.

Der Befund wird komplizierter und nicht besser durch die Wahrnehmung der USA und ihres bisherigen Präsidenten hier in Europa. Das 90-prozentige Kontra zu Trump hierzulande, speist sich aus der Wahrnehmung seines bizarren Stils, seiner unvermittelten Kommunikation, seiner inhaltlichen Schroffheit. Mit dem Innenleben der USA, das ihm ja vor 4 Jahren eine Mehrheit der Wahlleute beschert hatte, hat sich in Deutschland und Europa kaum jemand auseinandergesetzt. Eher das Gegenteil: wo verwandtschaftliche oder freundschaftliche Bande bestehen, ist oft Sprachlosigkeit und Konfrontation eingekehrt. Das frühere Schulwissen über die USA, etwa ‚Republikaner sind wirtschaftsfreundlicher und transatlantischer‘, hat doch kaum mehr jemand intus. Auch wir kennen die USA kaum noch in ihren ‚hearts & minds‘. Die Zerrissenheit der USA vor und nach der Wahl zu verstehen, ist aber der Schlüssel für künftig wieder gute Beziehungen. Und die sind nötig: ‚Freiheit‘ wird – allen bekannten Verwerfungen zum Trotz - neben (West-) Europa nur in Amerika korrekt buchstabiert.

Wer jetzt also von Europa und Deutschland aus die Hand ausstreckt, hilft auch den USA in ihrer inneren Zerrissenheit. Mit dem ‚atlantischen‘ Joe Biden hat man dafür einen nicht selbstverständlichen Glücksfall. Den man nicht zu lange strapazieren sollte. Deshalb muss jetzt über Werte Gemeinsamkeit festgestellt werden, über globales Handeln Vertrauen wiederbefestigt werden, über Verträge in gutem Geiste verhandelt werden, Interessen ausgeglichen werden, Kulturen wieder angenähert werden. Auch Europa und Deutschland müssen sich bewegen. Mal ehrlich: Für meine Generation müsste das 52 Jahre nach Woodstock doch machbar sein… und für alle anderen auch.

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